...der city-chor

Leonberger Zeitung vom 15.07.2002
Ein Chor auf modernen Pfaden

DITZINGEN - Die Ditzinger Stadthalle war am Samstagabend voll besetzt: Mit dem Programm "Best of Musicals'' begeisterten Chor, Band und Solisten vom Ditzinger city-chor die Zuhörer.

Von Rainer Enke

Seit zehn Jahren leitet Kai Müller diesen ambitionierten Chor, hervorgegangen aus dem Liederkranz Ditzingen mit seinen 92 Sängerinnen und Sängern. Rund 80 von ihnen standen am Samstag auf der Bühne, um einen musikalischen Streifzug durch bekannte Broadway-Musicals zu geben. Begleitet wurden sie von einer vierköpfigen Band, die sehr gut mit dem Chor harmonierte, sowie von Kai Müller, der vom Klavier aus dirigierte und einige Solo-Passagen sang.

Den Anfang machten drei Stücke aus My fair Lady. Bekannte Melodien, die schon hier den Chor überzeugen ließen. Miriam Fink gab mit ihrer tragenden, sehr gut artikulierenden Mezzosopranstimme dem Titel "I feel Pretty'' Dynamik und Authentizität. Elegisch, stimmgewaltig, aber auch in leisesten Passagen sauber, in guter Balance zwischen Männer- und Frauenstimmen, sang der Chor das eingängige "Summertime'' aus Porgy and Bess. Mit Verve und Volumen, sich öffnend und zurücknehmend, so vermittelte der city-chor das Lebensgefühl einer ganzen Generation in "Aquarius'' aus dem Musical Hair.

Mit seinem Solo "Donna'' aus Hair wirbelte Patrick Schenk durchs Publikum, der über ein großes Stimmvolumen verfügt, in höheren Lagen aber manchmal etwas flach und gepresst klang. Doch in seinem klagenden Solo "Wie wird man seinen Schatten los?'' aus dem Musical Mozart von Sylvester Levay fand er zu einer tragenden Gleichmäßigkeit. Den Spaß am Singen merkte man dem Chor auch bei "Let the Sunshine'' an. Mit jubelnden Stimmen und hochgereckten Armen sangen die Mitglieder begeistert und mitreißend den Ohrwurm aus Hair. Das Publikum dankte mit stürmischem Applaus.

Auch weniger bekannte Auszüge aus dem Musical Joseph von Andrew Lloyd Webber ergänzten das Programm. Hier ist zu erwähnen, dass Chor und Solisten durchweg auswendig sangen, was auf eine intensive Probenarbeit und viel Enthusiasmus der Sänger schließen lässt. Traurig und sehnsuchtsvoll, aber zunehmend an Kraft gewinnend, die erste Passage aus Les Miserables, bevor in pointiertem Marschrhythmus zornig "Das Lied des Volkes'' erklang.

Kai Müller sang zusammen mit dem Männerchor das temporeiche "Ein bisserl was fürs Herz'' aus dem Mozart-Musical, bevor der Chor in schönem Zusammenklang von Männer- und Frauenstimmen sentimentale Songs aus dem Phantom der Oper interpretierte. Nach zwei Passagen aus Starlight Express, mit einem schönen Solo von Miriam Fink und dem Boogie "Licht am Ende des Tunnels'', tanzten und sangen die beiden Solisten den Chor hinein in "Time warp'', den rockigen Titelsong aus The Rocky Horror Picture Show. Hier waren alle gefordert, Tempo und Volumen wurden gehalten.

Ein ambitioniertes Projekt hat Kai Müller mit dem city-chor in Vorbereitung: Im Februar 2003 werden sie das Musical Cabaret in der Leonberger Stadthalle aufführen. Einen Auszug daraus gaben Chor, Ballett und die drei Solisten in einem Medley, bei dem das Publikum begeistert mitklatschte.

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